• Jennifer Tettenborn

Loqa lernt laufen - Beitrag vom Schuhkurier Ausgabe 16/2022

Den Originalartikel finden Sie hier.


Am 2. April startete das Loqa-System bei Bö Schuhe & Fashion in Neustadt an der Weinstraße. Es soll helfen, die Vorzüge von stationärem und Onlinehandel zu kombinieren, und bald deutschlandweit etabliert werden.


Schuhe im Lieblingsladen kaufen, auch wenn dieser geschlossen ist. Ware beim Bummeln im Geschäft in den digitalen Warenkorb legen und vom Verkaufspersonal zum Anprobieren bringen lassen. Füße selbst vermessen und bequem mobil bezahlen. Als Verkaufsmitarbeiterin während der Beratung schnell online schauen, ob die gewünschte Größe noch in einer anderen Filiale, bei einem befreundeten Händler oder beim Lieferanten verfügbar ist: Es sind viele Vorzüge, die das vom European Clearing Center entwickelte System Loqa dem stationären Handel bieten will. Mit Hilfe von Tablets oder Terminals im Laden, mit Handhelds für das Verkaufspersonal und dem Smartphone der Kunden soll Loqa die Verknüpfung von stationärem Angebot, Onlineshop und angebundenen Marken möglich machen und damit dem Kunden maximalen Service bieten. Die Installation einer App oder eine aufwändige Registrierung mit zahlreichen persönlichen Daten ist für Loqa nicht nötig; alle Prozesse lassen sich mittels Scan von QR-Codes starten und abrufen. Und auch ohne die Anschaffung von Terminals und Handhelds funktioniert Loqa: „Der Schlüssel zum Erfolg ist der Zugang zu den Smartphones der Kunden“, erläutert Jörg Frommann, Geschäftsführer des ECC. Das System ermögliche einen echten Hybrid-Ansatz: „Jeder Kunde kann einfach von zuhause aus bei seinem Schuhhändler shoppen. In Kombination mit dem stationären Angebot macht Loqa viel mehr möglich, als es ein reiner Onlinehändler könnte.“ Am Start-Tag bei Bö Schuhe & Fashion war in Neustadt an der Weinstraße einiges los. Viele Kundinnen und Kunden probierten aus, was Loqa kann. Zu den Highlights gehörte dabei das Shoppen in der berühmten Bö Bar, wo bei Tapas und Wein der digitale Warenkorb gefüllt wurde, um die gewünschten Produkte nach dem Imbiss in Ruhe anzuprobieren. Geschäftsführer Peter Bödeker zeigt sich begeistert: „Wir sind mit dem System einfach gestartet, um Erfahrungen zu sammeln. Ich muss sagen: Das ECC hat dieses Thema hervorragend umgesetzt. Die Verknüpfung von stationär und online haben wir uns immer gewünscht. Sie ist jetzt möglich. Wir können direkt auf die Lieferantenlager zugreifen und die gewünschten Produkte reservieren oder dem Kunden nach Hause schicken. Diese Flexibilität gab es bislang noch nicht. Wir haben die Möglichkeit, Sortimente zu verkaufen, die wir gar nicht in unseren Geschäften haben und erreichen eine riesige Verfügbarkeitssteigerung.“ Diese entsteht durch die Anbindung der Lieferanten und den Zugriff auf deren Lager. Denkbar ist auch die Vernetzung mehrerer Händler oder sogar einer Einkaufsstraße oder eines Centers – immer mit dem Ziel, dem Kunden ein möglichst großes Angebot zu präsentieren. Tendenziell bietet Loqa damit das Potenzial, dass die Warenkörbe größer werden.

Smartphone reicht Die Einstiegshürde für das neue System ist laut den Machern beim European Clearing Center denkbar niedrig. „Händler brauchen für den Start nur die Mitgliedschaft beim ECC und ein Smartphone“, berichtet Frommann. Die Integration über das Clearing Center hat laut dem Experten auch den Vorteil, dass der Datenaustausch bequem über EDI erfolgt. Informationen über Produkte und Marken speisen sich zudem aus der Content-Datenbank SPOCC des ECC. Und jeder teilnehmende Händler kann laut den Verantwortlichen Loqa so nutzen, wie es für sein Geschäftsmodell passt. Im Backend kann jeder Händler beispielsweise definieren, welche Filter er für die Suche an Terminals setzen und welche Prozessbestandteile er freischalten möchte. Für die Mitarbeitenden auf der Fläche bringt Loqa einige Neuerungen; sie müssen offen für die neue Technologie sein. Darin sieht Peter Bödeker aber kein Problem: „Das Verkaufspersonal war zuerst ein bisschen skeptisch und hatte Respekt vor dem neuen System. Alle haben aber schnell gemerkt, wie einfach Loqa zu bedienen ist. Und ein ’Tut mir leid, den Schuh haben wir nicht mehr‘ gehört in vielen Fällen der Vergangenheit an.“ Nach der Premiere in Neustadt/Weinstraße soll Loqa deutschlandweit ausgerollt werden. Aktuell sei man mit mehr als 40 Händlern in konkreten Gesprächen, dabei gehe es um über 250 Flächen. „Uns war es wichtig, unseren Händlern den Onlinekanal zu öffnen und die beiden Welten miteinander zu verknüpfen. Alle Vorteile des Onlinehandels werden mit dem Service und der Beratung auf der Fläche kombiniert“, so Frommann. Original verfasst von Petra Steinke, erschienen im Schuhkurier Ausgabe 16/2022

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